Publikationen
Nicht Frau und nicht Mann - Erschienen in der Annabelle 9/06 am 10. Mai 2006 (pdf-download)
"Les médecins ont décidé que je serai une fille" - Erschienen in Le Matin Dimanche am 18. Mai 2008
Die Frau, die nie ein Mann war - Erschienen in Das Magazin 36/2007 am 8. September 2007
Kommentar intersex.ch zu "Die Frau, die nie ein Mann war":
Die Tabuisierung von Intersexualität hat das Leben von uns Betroffenen nachhaltig negativ beeinflusst. Deshalb ist jeder Bericht erfreulich, der darüber informiert und zu einer Enttabuisierung beiträgt.
Ob der Laie nach diesem Artikel den Durchblick haben wird, ist jedoch zu bezweifeln. Er wird sich wohl eher fragen: Was ist jetzt genau Intersexualität? Muss irgendwie mit Transsexualität zu tun haben, oder?
Ich bezweifle nicht, dass Frau Armani intersexuell ist, und ziehe den Hut vor ihr als Mensch, der so etwas überlebt und gekämpft hat, aber diese Berichterstattung ist verwirrend. Die problematische Vater-Tochter-Beziehung, der private Streit und die Grenzüberschreitungen eines alten, störrischen Patriarchen werden zu sehr breit geschlagen. Das eigentliche Thema verschwindet dahinter, es kommt zu keiner wirklichen Klärung über Intersexualität. Auch über Frau Armanis Intersexualität erfährt man nichts Konkretes. Was ist deren Ursache? Eine Androgenresistenz oder ein Enzymdefekt? Ist sie chromosomal männlich (XY) oder weiblich (XX)? Wieso vermischt Frau Armani in ihren Aussagen 'transsexuell' und 'intersexuell', zuweilen im selben Satz, beschreibt zwar einen intersexuellen Körper, spricht von sich jedoch als "von Geburt an transsexuell"? Als Medizinerin kennt Frau Armani doch den Unterschied und auch der Autor hat sich "mehrfach mit Fragen der Intersexualität auseinandergesetzt". Warum also diese diffuse Darstellung? Immerhin spricht der Titel des Artikels Klartext und bringt den Unterschied zwischen Intersexualität und Transsexualität auf den Punkt: "Die Frau, die nie ein Mann war" – man beachte das 'nie'.
Die Ärzteschaft kommt auch zu Wort und spricht von einem Umdenken. Aber bitte genau lesen: Von einer Anerkennung eines 'dritten Geschlechts' sei man weit entfernt, gemäss Prof. Mullis wächst jedoch "unter den Ärzten die Bereitschaft, ein unbestimmtes Geschlecht auch einmal sein zu lassen, wenn es sich medizinisch vertreten lässt". Glücklich also diejenigen, bei denen die Mediziner grosszügigerweise ein Auge zudrücken und die "auch einmal" mit einem unoperierten Genital alt werden dürfen! Das ist dann wie ein Sechser im Lotto – und wohl auch entsprechend selten.
Bei diesem Tempo im Umdenken werden noch viele Intersexuelle 'daran glauben' müssen. Dabei wäre es doch so einfach: Geschlechtszuweisende Operationen dürfen nur im Einverständnis der intersexuellen Person durchgeführt werden! Es geht um Menschenrechte, um Kinderrechte: das Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde. Lauter Dinge, die so nebenbei auch in der Schweizerischen Verfassung enthalten sind.
Ausführlicher Kommentar auf zwischengeschlecht.info
Artikel erstellt am 2008/05/18.