Demo gegen genitale Zwangsoperationen
Intersexuelle leiden ihr Leben lang unter genitalen Zwangsoperationen
Nach dem Motto “It’s easier to make a hole than to build a pole” (es ist einfacher, ein Loch zu graben, als einen Mast zu bauen) werden die meisten Intersexuellen im frühen Kindesalter ‚zu Mädchen gemacht’. Dabei wird eine zu grosse Klitoris resp. ein zu kleiner Penis operativ verkleinert oder gar amputiert. Die Mediziner nehmen dabei in Kauf, dass das sexuelle Empfinden vermindert oder gänzlich zerstört wird. Zudem werden intersexuelle Kinder regelmässig kastriert, d.h. es werden ihnen die gesunden, Hormone produzierenden inneren Geschlechtsorgane entfernt, was eine lebenslange Substitution mit körperfremden Hormonen zur Folge hat, die zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führen kann. Diese Operationen verfolgen keinen medizinischen Zweck, sondern dienen ausschliesslich dazu, den Kindern möglichst rasch und unwiderruflich eine eindeutige Geschlechtsidentität aufzuzwingen. Trotzdem weigern sich die Ärzte, diese Eingriffe aufzuschieben, bis die Kinder alt genug sind zum Mitentscheiden. Eine neue Studie aus Hamburg beweist einmal mehr, welches Leid diese Zwangsoperationen auslösen.
Studie redet Klartext – Mediziner hören weg
Erstmals wurde durch die Forschergruppe Intersexualität des Zentrums für Psychosoziale Medizin, Institut für Sexualwissenschaften am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine Studie zur Situation Intersexueller durchgeführt. Diese Forschungsgruppe ist Mitglied in einem bundesfinanzierten „Netzwerk Intersexualität“, in welchem Intersexuelle (alibimässig) vertreten sind, weil dies eine Bedingung bei der Vergabe der Fördermittel war. Intersexuelle dürfen somit auch an Tagungen des Netzwerks teilnehmen – so lange sie brav den Mund halten. Sonst verlassen kritisierte Mediziner schon mal laut polternd den Saal.
Obwohl die Ergebnisse der Hamburger Studie beweisen, dass die Medizin bei ihrem Versuch scheitert, mit dem Skalpell geschlechtliche Eindeutigkeit herzustellen, um auf diese Weise ein gesellschaftliches Problem zu lösen, findet kein wirkliches Umdenken statt. Seit sich Betroffene in Selbsthilfegruppen organisieren und diese menschenrechtswidrigen Praktiken anprangern, geraten die Mediziner jedoch zunehmend in Legitimationszwang. Die Debatte in medizinischen Fachzeitschriften und Tagungen ist Ausdruck davon. EthikexpertInnen kritisieren vermehrt die Unhaltbarkeit der immer noch gängigen Praxis, währenddessen sich Mediziner in immer absurderen Rechtfertigungsversuchen verlieren und sogar bezweifeln, dass Betroffene für jene sprechen können, die heute intersexuell geboren werden, wie zum Beispiel Prof. Hiort in einem Artikel in der taz über die erwähnte Hamburger Studie.
Intersexuelle setzen sich zur Wehr
Die Tabuisierung von Intersexualität hat das Leben von Betroffenen nachhaltig negativ beeinflusst und sie in die Isolation getrieben. Intersexuelle lassen sich jedoch nicht mehr den Mund verbieten und werden sich auch in Zukunft schützend vor intersexuelle Kinder stellen. Die Gesellschaft soll aufgeklärt werden, damit ein unverkrampfter Umgang mit Intersexualität entstehen kann. Intersexuelle Menschen fordern, dass geschlechtszuweisende Operationen nur im Einverständnis der intersexuellen Person durchgeführt werden dürfen und fordern damit nichts anderes als das Recht eines jeden Menschen auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde.
Demo 12.12.07 09:30 vor dem Landgericht Köln
Es geht um Menschenrechte, für die wir uns am 12. Dezember 2007 in Köln einsetzen werden, zusammen mit Christiane, die ihren Arzt wegen Körperverletzung anklagt. Sie wurde ihrer gesunden inneren weiblichen Fortpflanzungsorgane beraubt und leidet bis heute an der ihr aufgezwungenen männlichen Rolle, wurde wie viele intersexuelle Menschen angelogen, gedemütigt und in ihrer Würde verletzt.
Wir besammeln uns am 12.12. um 09:30 Uhr vor dem Landgericht an der Luxemburger Strasse 101 in 50939 Köln. Kommt alle und setzt ein Zeichen im Namen der Menschlichkeit, unterstützt uns in unserem Kampf gegen genitale Zwangsoperationen!
Artikel erstellt am 2007/11/23.